Osmose erkennen

Ein GfK-Laminat besteht aus Glasfasern, die durch das Laminierharz miteinander verbunden sind. Wasserempfindlich in diesem Gefüge ist nur das Harz, nicht die Glasfasern.

Die äußere Schutzschicht (Gelcoat) ist wie jeder Stoff (sogar Diamanten) nicht wasserdampfdicht. Dadurch nimmt jedes Rumpf-Laminat im Laufe der Wasserliegezeit Feuchtigkeit auf.

Minderwertiges Harz löst sich unter Feuchtigkeitsbelastung auf. Das Zersetzungsprodukt ist eine Säure, die sich konzentriert in baubedingten Hohlräumen zwischen Gelcoat und Laminat bildet.

Die Säure hat eine höhere Dichte als das Wasser, in dem das Schiff schwimmt. Osmose bezeichnet nun den Prozess, dass die Säure in ihrem Bestreben, sich zu verdünnen, Wasser von aussen "ansaugt". Die Folge: Der Druck in den baubedingten Hohlräumen steigt an.

Der Zersetzungsprozess verläuft so lange unbemerkt bis der Osmoseprozess den Druck in den Hohlräumen so stark ansteigen lässt, dass das Gelcoat in Form von Blasen nach außen gedrückt wird.

Erst durch die Blasenbildung des Gelcoat wird die Osmose erkennbar.

Der Zersetzungsprozess ist dann aber schon lange in Gang.

Daraus lassen sich folgende Feststellungen ableiten:

  • Jeder GfK-Rumpf nimmt im Laufe der Wasserliegezeit Feuchtigkeit auf und gibt sie während der Landliegezeit wieder ab.

Feuchtigkeitsmessungen sind daher für die Osmoseerkennung ungeeignet!

  • Hochwertige Laminierharze halten dieser Feuchtigkeitsbelastung stand.
  • Minderwertige Laminierharze lösen sich unter Wasserbelastung auf.
  • Der Auflösungsprozess ist bis zum Stadium der Blasenbildung des Gelcoat auch für den Fachmann nicht zu erkennen.
  • Die Blasenbildung des Gelcoat ist bis auf wenige Ausnahmen immer ein sicheres Zeichen für Osmose.

Eine Osmose-Prüfung des Unterwasserschiffes zielt daher ausschließlich darauf ab, das Gelcoat auf Blasenbildung zu untersuchen.

Drei do-it-yourself praxisgerechte Methoden der Blasenerkennung:

  • Gleich nach dem Aufkranen das noch nasse Unterwasserschiff gegen das Licht in Augenschein nehmen. Da bei richtigem Blickwinkel das Licht wie Streiflicht parallel zum Rumpf verläuft, werden sich in den Bereichen mit Wölbungen nach außen Schatten bilden. Blasen werden sichtbar.
  • Das Unterwasserschiff mit einer starken Taschenlampe parallel zur Fläche ableuchten. Durch das Streiflicht werden Wölbungen nach außen durch Schattenbildung sichtbar.
  • Ein wirklich erstes belastbares Diagnosetool ist der Schleif-Test, der von jedem handwerklich begabten Eigner gut in Eigenleistung durchzuführen ist!
    Hierbei mit P120er Schleifpapier eine ca. DIN A4 große Fläche bis zum Gelcoat plan verschliffen. Vorhandene Blasen – die ja im Untergrund erhaben sind - werden dadurch als erstes freigelegt (“geköpft“) und zeichnen sich als Punkte in der Fläche ab.
    Lassen Sie uns gerne von Ihrer Schleifprobe “Osmose ja / nein“ ein Foto zu kommen lassen, wir werden Ihnen dann zeitnah unsere Einschätzung dazu geben.

Drei Möglichkeiten der Diagnose:

  • Es wird eine weitere Farbschicht erkennbar: Hier handelt es sich um die Ablösung zweier Farbschichten voneinander – keine Osmose!
  • Es wird das glatte, intakte Gelcoat sichtbar: Es handelt sich um eine Ablösung der Farbbeschichtung vom Gelcoat – keine Osmose!
  • Es wird das Laminat sichtbar und Säure tritt aus: Es handelt sich um Osmose.

Oft sind Osmoseblasen allerdings unter vielen Schichten Antifouling versteckt und daher schwer bis gar nicht zu erkennen.

Aber “nicht erkennen“ heißt nicht “nicht da“ - und ein zu spät entdeckter Osmoseschaden kann massive Auswirkung auf die strukturelle Festigkeit des Rumpfes haben.

Osmoseerkennung durch den Fachbetrieb

  • Nach den visuell durchgeführten Untersuchungsmethoden erhalten wir als Fachbetrieb erst im Rahmen einer Strahlprobe wirklich gesicherte Erkenntnisse zu der Frage “Osmose Ja/Nein.

    Hierbei legen zunächst partielle Strahlproben die Rumpf-Substanz frei und können untersucht werden. Entsprechende Strahlproben erfolgen auch in den bootsbau kritischen Bereichen wie z.B. am Skeg, Ruderblatt und Kiel.

  • Als eine weitere Osmose-Früherkennungsmaßnahme hat sich das Ableuchten des Unterwasserschiffes mit UV-Licht erwiesen:

    Dazu wird das Gelcoat zunächst partiell freigelegt und mit P 180 sauber verschliffen. Eine ca. DIN A4 große Fläche reicht für eine erste Einschätzung aus. Dann wird dieser Bereich mit einer UV-Licht Prüflampe abgeleuchtet. Bei einem bereits vorhandenen Osmoseprozess erscheinen im UV-Licht mit Säure gefüllte Hohlräume als dunkle Flecken und Punkte – und dass in Bereichen die ohne UV-Beleuchtung völlig intakt aussehen. Trockene Lufteinschlüsse und auch die Osmoseflüssigkeit selbst sind im UV-Licht unauffällig. Durch die Säureeinwirkung wird das Gelcoat verfärbt. Diese Verfärbungen sind unter natürlichem Licht (Tageslichtquellen) nicht zu sehen, jedoch zeichnen sie sich durch das UV-Licht ab. Mit dieser neuen Methode können noch verborgene Osmosenester wesentlich früher festgestellt werden und in weitere Refitmaßnahmen mit einbezogen werden!

    -> Video UV-Licht-Prüfmethode von YACHT TV

Wenn Schleif-, Strahl- und partielle UV-Licht-Untersuchung unauffällig sind, tragen wir zunächst vom gesamten Unterwasserschiff die vorhandene Beschichtung bis zum Gelcoat im schonenden RotoBlast-Strahl-Verfahren ab.

-> Näheres zum Roto Blast Strahlverfahren

Anschließend erfolgt noch einmal eine gewissenhafte Untersuchung des gesamten Unterwasserschiffes mittels Streiflicht. Besonders die bootsbau-kritischen Bereiche wie z.B. die mechanisch-belasteten Lagerbock-Auflageflächen vom Rumpf, die Ruder- und Kiel-Konstruktion, etc. werden gründlich überprüft.

Ggf. vorhandene Beschädigungen (Haarrisse, Osmoseschäden, etc.) können sichtbar gemacht und zwecks Reparatur-Abstimmung mit Ihnen markiert werden. Diese Untersuchung führen wir auf Wunsch auch gern zusammen mit dem Eigner durch.

Warum ist die sichere Osmoseerkennung so wichtig?

Das größte Risiko bei einer Unterwasserschiff-Überholung ist, dass ggf. vorhandene Osmoseschäden oder Strukturschäden nicht entdeckt werden. Das gilt besonders für osmotische Zersetzungsprozesse des Laminates, die (noch) nicht durch eine Blasenbildung im Gelcoat sichtbar sind. Ein zu spät entdeckter Osmoseschaden kann massive Auswirkung auf die strukturelle Festigkeit des Rumpfes haben!

Mit einer Lampe im Streiflicht Osmose erkennen
Schleifprobe - Osmoseblasen zeichnen sich ab
Osmose Erkennung: Partielle Strahlprobe
Osmose-Erkennung: Nach der partiellen Strahlprobe kann die freigelegte Rumpf-Substanz untersucht werden.
Osmosefrüherkennung mit UV-Licht (Foto Copyright YACHT)

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