Osmose erkennen

Ein GfK-Rumpf ist im Unterwasserschiffbereich zumeist durch zahlreiche Schichten Primer und Antifouling verdeckt und somit unerreichbar für eine gründliche Begutachtung.

Jedoch ist eine gesicherte Beurteilung des Ist-Zustandes notwendig, denn “nicht sehen“ heißt nicht “es ist nicht da“. Ein zu spät entdeckter Osmoseschaden kann massive Auswirkung auf die strukturelle Festigkeit des Rumpfes haben!

Ein GfK-Laminat besteht aus Glasfasern, die durch das Laminierharz miteinander verbunden sind. Wasserempfindlich in diesem Gefüge ist nur das Harz, nicht die Glasfasern. Die äußere Schutzschicht (Gelcoat) ist wie jeder Stoff (sogar Diamanten) nicht wasserdampfdicht. Dadurch nimmt jedes Rumpf-Laminat im Laufe der Wasserliegezeit Feuchtigkeit auf.

Minderwertiges Harz löst sich unter Feuchtigkeitsbelastung auf. Das Zersetzungsprodukt ist eine Säure, die sich konzentriert in baubedingten Hohlräumen zwischen Gelcoat und Laminat bildet. Die Säure hat eine höhere Dichte als das Wasser, in dem das Schiff schwimmt.

Osmose bezeichnet nun den Prozess, bei dem die Säure in ihrem Bestreben, sich zu verdünnen, Wasser von außen "ansaugt". Die Folge: Der Druck in den säuregefüllten Hohlräumen steigt. Der Zersetzungsprozess ist dann im Gange und verläuft so lange unbemerkt, bis der Osmoseprozess den Druck in den Hohlräumen so stark ansteigen lässt, dass das Gelcoat in Form von Blasen nach außen gedrückt wird.

Erst durch diese Blasenbildung des Gelcoats wird die Osmose erkennbar!

Daraus lassen sich folgende Feststellungen ableiten: Jeder GfK-Rumpf nimmt im Laufe der Wasserliegezeit Feuchtigkeit auf und gibt sie während der Landliegezeit wieder ab.

Feuchtigkeitsmessungen sind daher für die Osmose-Erkennung ungeeignet!

Denn hochwertige Laminierharze halten dieser Feuchtigkeitsbelastung stand, nur minderwertigere Laminierharze lösen sich unter Wasserbelastung auf.

Bei neueren Boots-Modellen – auch wenn diese aus einem “osmosefesten“ Vinylester-Laminat gebaut worden sind - kann ein zwischen Gelcoat und Laminat verarbeiteter “Barriercoat“ Gelcoat Ablösungen in Blasenform verursachen. Es handelt sich dann nicht um einen “klassischen Osmoseschaden“ (Auflösung des Laminates) - das Schadensbild und der Reparaturweg sind aber identisch. Intern spricht man dann von Osmose 2.0. Der Auflösungsprozess ist bis zum Stadium der Blasenbildung auch für den Fachmann nicht bzw. erschwert zu erkennen - diese Blasenbildung des Gelcoates ist jedoch bis auf wenige Ausnahmen immer ein sicheres Zeichen für Osmose.

Eine Osmose-Prüfung des Unterwasserschiffes zielt daher ausschließlich darauf ab, das Gelcoat auf Blasenbildung zu untersuchen.

Praxisgerechte do-it-yourself Methoden der Blasenerkennung:

Gleich nach dem Aufkranen das noch nasse Unterwasserschiff gegen das Licht in Augenschein nehmen. Da bei richtigem Blickwinkel das Licht wie Streiflicht parallel zum Rumpf verläuft, werden sich in den Bereichen mit Wölbungen nach außen Schatten bilden. Blasen werden sichtbar.

  • Taschenlampe: Im Winterlager das Unterwasserschiff mit einer starken Taschenlampe parallel zur Fläche ableuchten. Durch das Streiflicht werden Wölbungen nach außen durch Schattenbildung sichtbar.
  • Schleif-Test: Ein erstes belastbares Diagnosetool ist der Schleif-Test, der von jedem handwerklich begabten Eigner gut in Eigenleistung durchzuführen ist! Hierbei mit P120er Schleifpapier eine ca. DIN A4 große Fläche bis zum Gelcoat plan verschliffen. Vorhandene Blasen – die ja im Untergrund erhaben sind - werden als erstes freigelegt (“geköpft“) und zeichnen sich als Punkte in der Fläche ab.
  • Wischprobe: Ergänzend kann auch eine Wischprobe durchgeführt werden. Hierbei wird mit einem Lösemittel wie z.B. Azeton die 1-Komponenten (nicht lösemittelfeste) Antifouling mittels “anlösen & abwischen“ bis zum 2-Komponenten (lösemittelfesten) EpoxidPrimer oder Gecoat entfernt. Ggf. vorhandene Blasen lassen sich so sichtbar machen.
  • UV-Licht: Zur Osmose-Früherkennung wird das freigelegte Gelcoat mit einer leistungsstarken UV-Lichtquelle untersucht. Dazu wird das Gelcoat mit P 180 zunächst sauber verschliffen. Eine ca. DIN A4 große Fläche reicht für eine erste Einschätzung aus. Da es sich jedoch um eine Früherkennung handelt, ist eine möglichst große Referenzfläche sinnvoll - im idealen Fall das gesamte Unterwasserschiff! Der zu prüfende Bereich wird mit einer UV-Licht Prüflampe abgeleuchtet, welche die Säureeinwirkung auf das Gelcoat als dunkle Flecken sichtbar macht. Diese Verfärbungen sind unter natürlichem Licht (Tageslichtquellen) nicht zu sehen, sodass ohne UV-Beleuchtung das Gelcoat völlig intakt erscheint. Mit dieser neuen Methode können Osmosenester – die (noch) nicht durch Blasenbildung zu lokalisieren sind - festgestellt werden und in die Refitmaßnahmen mit einbezogen werden! -> Video UV-Licht-Prüfmethode von YACHT TV

Sollten Blasen festgestellt worden sein, gibt es drei Möglichkeiten der Diagnose mittels Öffnen der Blase:

  • Es wird eine weitere Farbschicht erkennbar: Hier handelt es sich um die Ablösung zweier Farbschichten voneinander – keine Osmose!
  • Es wird das glatte, intakte Gelcoat sichtbar: Es handelt sich um eine Ablösung der Farbbeschichtung vom Gelcoat – keine Osmose!
  • Es wird das Laminat sichtbar und Säure tritt aus: Es handelt sich um Osmose.

Osmoseerkennung durch den Fachbetrieb

  • Nach den visuell durchgeführten Untersuchungsmethoden erhalten wir als Fachbetrieb erst im Rahmen einer Strahlprobe wirklich gesicherte Erkenntnisse zu der Frage “Osmose Ja/Nein.

    Hierbei legen zunächst partielle Strahlproben die Rumpf-Substanz frei und können untersucht werden. Entsprechende Strahlproben erfolgen auch in den bootsbau kritischen Bereichen wie z.B. am Skeg, Ruderblatt und Kiel.

Wenn Schleif-, Strahl- und partielle UV-Licht-Untersuchung unauffällig sind, tragen wir zunächst vom gesamten Unterwasserschiff die vorhandene Beschichtung bis zum Gelcoat im schonenden RotoBlast-Strahl-Verfahren ab.

-> Näheres zum Roto Blast Strahlverfahren

Anschließend erfolgt noch einmal eine gewissenhafte Untersuchung des gesamten Unterwasserschiffes mittels Streiflicht. Besonders die bootsbau-kritischen Bereiche wie z.B. die mechanisch-belasteten Lagerbock-Auflageflächen vom Rumpf, die Ruder- und Kiel-Konstruktion, etc. werden gründlich überprüft.

Ggf. vorhandene Beschädigungen (Haarrisse, Osmoseschäden, etc.) können sichtbar gemacht und zwecks Reparatur-Abstimmung mit Ihnen markiert werden. Diese Untersuchung führen wir auf Wunsch auch gern zusammen mit dem Eigner durch.

Mit einer Lampe im Streiflicht Osmose erkennen
Schleifprobe - Osmoseblasen zeichnen sich ab
Osmose Erkennung: Partielle Strahlprobe
Osmose-Erkennung: Nach der partiellen Strahlprobe kann die freigelegte Rumpf-Substanz untersucht werden.
Osmosefrüherkennung mit UV-Licht (Foto Copyright YACHT)

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